
„Liebe beginnt dort, wo das Urteilen endet.“
Kann Liebe überhaupt dort entstehen, wo wir Menschen zuerst durch die Brille unserer Urteile betrachten?
Liebe ist weit mehr als ein Gefühl oder ein schönes Wort. Sie zeigt sich vor allem in der Art und Weise, wie wir einem Menschen begegnen – besonders dann, wenn er anders denkt, fühlt oder handelt als wir.
Urteilen und Verurteilen entstehen häufig dort, wo wir uns mit unseren Überzeugungen, Meinungen oder Vorstellungen identifiziert haben. Wir verteidigen nicht nur einen Gedanken. Wir verteidigen das Bild, das wir von der Welt und von uns selbst erschaffen haben.
Bewusstsein lädt uns ein, einen Schritt zurückzutreten und genau diesen Mechanismus zu beobachten. Nicht um jede Meinung aufzugeben, sondern um zu erkennen, dass unsere Identifikation mit ihr häufig mehr Trennung erzeugt als der Gedanke selbst.
Liebe beginnt dort, wo das Bedürfnis, recht zu haben, an Bedeutung verliert. Dort, wo wir einem Menschen mit Offenheit begegnen können, ohne ihn verändern oder bewerten zu müssen.
Vielleicht zeigt sich wahre Liebe nicht darin, dass wir alle dieselbe Wahrheit teilen. Vielleicht zeigt sie sich darin, dass wir trotz unterschiedlicher Wahrheiten miteinander verbunden bleiben können.
Solange wir urteilen, sehen wir unsere Geschichte. Erst wenn das Urteilen endet, beginnen wir den Menschen zu sehen.
Iris Christiana - Beyond Identification